von Saki » Do 18. Feb 2016, 16:32
Zu den Gründen der Amtszeitbegrenzung in den USA: Soweit mir bekannt, galt dies schon in den Federalist Papers oder in den Diskussionen zur Verfassung als wünschenswert (zumindest als Einzelmeinung) aus der psychologischen Erwägung heraus, das Macht den Charakter mit der Zeit korrumpiere. Es gab eine Art ungeschriebenes Gesetz, dass ein Präsident nicht mehr als zwei Amtszeiten amtieren solle. Franklin D. Roosevelt war auch der einzige, der drei Amtszeiten hatte, wobei zumindest sein Namensvetter und entfernter Verwandter Theodore Roosevelt eine dritte Amtszeit versucht hatte, aber gescheitert ist. Tatsächlich war FDR dann auch der Anlass, den entsprechenden Zusatz anzugehen. Mit ein Grund war wohl auch das Alters/Demenzargument, da FDR wenn mich nicht alles täuscht, noch im Amt verstarb und schon vorher ein starkes Siechtum erlitt. Manche polemisierten, Stalin habe ihn deswegen in Jalta über den Tisch gezogen. Es hieß auch, seine Frau Eleonore habe das Amt während seiner letzten Monate quasi informell ausgeübt. Wichtiger war wohl aber der Umstand, dass es während FDRs Amtszeit zuerst im "New Deal" später kriegsbedingt, eine enorme Ausweitung der Tätigkeit der Bundesexekutive gab, die unter Zeitgenossen wohl sehr umstritten war, weniger im Krieg, aber vor allem davor. Trotz des sehr hohen Ansehens FDRs, hatten wohl viele das Gefühl, die "Balance of Power" sei durch FDRs Wirken aus den Fugen geraten und bedürfe einer Korrektur in der Verfassung. Ausdruck gefunden hat diese Befürchtung wohl am prägnantesten in Dwight D. Eisenhowers Wort vom "militärisch-industriellen Komplex". Witzig ist der Umstand, dass aktuell aus der Demokratischen Partei beklagt wird, der Congress sei dysfunktional geworden (weil er Obama zur "Cohabitation") zwinge, mir scheint es aber vielmehr, dass er genau so funktioniert, wie es z.B. in den Federalist Papers vorgesehen war, nämlich als Gegengewicht zum President, der ihm so oft wie möglich gesetzliche Knüppel zwischen die Beine wirft. Eines scheint relativ offensichtlich zu sein: Die parlamentarische Kontrolle, besser Einhegung der Exekutive, ist im US-System wahrscheinlicher als in einem parlamentarischen System, in dem zwar das Parlament der Souverän ist, aber notwendig in Symbiose mit der Exekutive. Ich jedenfalls würde nicht glauben, dass der Wunsch, möglichst selten "Cohabitation" zu haben, im Falle der USA wirklich maßgeblich war.
Zu den Gründen der Amtszeitbegrenzung in den USA: Soweit mir bekannt, galt dies schon in den Federalist Papers oder in den Diskussionen zur Verfassung als wünschenswert (zumindest als Einzelmeinung) aus der psychologischen Erwägung heraus, das Macht den Charakter mit der Zeit korrumpiere. Es gab eine Art ungeschriebenes Gesetz, dass ein Präsident nicht mehr als zwei Amtszeiten amtieren solle. Franklin D. Roosevelt war auch der einzige, der drei Amtszeiten hatte, wobei zumindest sein Namensvetter und entfernter Verwandter Theodore Roosevelt eine dritte Amtszeit versucht hatte, aber gescheitert ist. Tatsächlich war FDR dann auch der Anlass, den entsprechenden Zusatz anzugehen. Mit ein Grund war wohl auch das Alters/Demenzargument, da FDR wenn mich nicht alles täuscht, noch im Amt verstarb und schon vorher ein starkes Siechtum erlitt. Manche polemisierten, Stalin habe ihn deswegen in Jalta über den Tisch gezogen. Es hieß auch, seine Frau Eleonore habe das Amt während seiner letzten Monate quasi informell ausgeübt. Wichtiger war wohl aber der Umstand, dass es während FDRs Amtszeit zuerst im "New Deal" später kriegsbedingt, eine enorme Ausweitung der Tätigkeit der Bundesexekutive gab, die unter Zeitgenossen wohl sehr umstritten war, weniger im Krieg, aber vor allem davor. Trotz des sehr hohen Ansehens FDRs, hatten wohl viele das Gefühl, die "Balance of Power" sei durch FDRs Wirken aus den Fugen geraten und bedürfe einer Korrektur in der Verfassung. Ausdruck gefunden hat diese Befürchtung wohl am prägnantesten in Dwight D. Eisenhowers Wort vom "militärisch-industriellen Komplex". Witzig ist der Umstand, dass aktuell aus der Demokratischen Partei beklagt wird, der Congress sei dysfunktional geworden (weil er Obama zur "Cohabitation") zwinge, mir scheint es aber vielmehr, dass er genau so funktioniert, wie es z.B. in den Federalist Papers vorgesehen war, nämlich als Gegengewicht zum President, der ihm so oft wie möglich gesetzliche Knüppel zwischen die Beine wirft. Eines scheint relativ offensichtlich zu sein: Die parlamentarische Kontrolle, besser Einhegung der Exekutive, ist im US-System wahrscheinlicher als in einem parlamentarischen System, in dem zwar das Parlament der Souverän ist, aber notwendig in Symbiose mit der Exekutive. Ich jedenfalls würde nicht glauben, dass der Wunsch, möglichst selten "Cohabitation" zu haben, im Falle der USA wirklich maßgeblich war.