von Thomas Frings » Do 7. Mai 2015, 18:18
"Man sollte erwähnen, das die Wahlrechtsreform nur für das Abgeordnetenhaus gilt, nicht für den bisher entscheidenderen Senat (der aber per Verfassungsänderung umgeformt und fast entmachtet werden soll)." Das ist natürlich richtig, abgesehen davon, dass beide Kammern exakt dieselben Rechte haben. "Wenn Renzi diese geplante Verfassungsänderung auch noch durchsetzen kann, dürfte Italien das einzige demokratische Land sein, in dem das Wahlrecht einer einzelnen Partei eine absolute Parlamentsmehrheit und damit die Kontrolle über Legislative und Exekutive garantiert (was ich etwas bedenklich finde)." Man kann natürlich die absolute Mehrheit einer Partei als Wahlergebnis garantieren, aber das allein garantiert nicht zwingend klare Verhältnisse, vor allem nicht in Italien. Denn nicht garantieren kann man, dass diese Partei in sich stabil ist. Abspaltungen und auch Fusionen gibt es ja laufend. Bis Anfang der 90er Jahre war die Parteienlandschaft zwar sehr stabil, dafür war insbesondere die Democrazia Cristiana als mit Abstand wichtigste Partei notorisch zerstritten. "Ohne die geplante Senatsreform ändert die jetzige Abgeordnetenhaus-Reform aber m.M.n. fast nichts an den bisherigen "italienischen Verhältnissen" - Regierungen sind auch bisher m.W. immer an fehlenden Senatsmehrheiten zerbrochen, da es für das Abgeordnetenhaus auch vorher schon eine Mehrheitsklausel (wenn auch für Koalitionen) gab." Das ist richtig. Allerdings würde vermutlich auch eine Entmachtung des Senats gar nicht soviel ändern. Politiker, die bisher kaum willens und erst recht nicht fähig waren, die vielen Probleme Italiens anzugehen, werden sich nicht plötzlich ändern, wenn der Senat weg ist. Bei Renzi habe ich den Eindruck, dass er Wahlrechts- und Verfassungsänderung nicht neben, sondern anstatt wirklicher Veränderungen betreibt.
"Man sollte erwähnen, das die Wahlrechtsreform nur für das Abgeordnetenhaus gilt, nicht für den bisher entscheidenderen Senat (der aber per Verfassungsänderung umgeformt und fast entmachtet werden soll)." Das ist natürlich richtig, abgesehen davon, dass beide Kammern exakt dieselben Rechte haben. "Wenn Renzi diese geplante Verfassungsänderung auch noch durchsetzen kann, dürfte Italien das einzige demokratische Land sein, in dem das Wahlrecht einer einzelnen Partei eine absolute Parlamentsmehrheit und damit die Kontrolle über Legislative und Exekutive garantiert (was ich etwas bedenklich finde)." Man kann natürlich die absolute Mehrheit einer Partei als Wahlergebnis garantieren, aber das allein garantiert nicht zwingend klare Verhältnisse, vor allem nicht in Italien. Denn nicht garantieren kann man, dass diese Partei in sich stabil ist. Abspaltungen und auch Fusionen gibt es ja laufend. Bis Anfang der 90er Jahre war die Parteienlandschaft zwar sehr stabil, dafür war insbesondere die Democrazia Cristiana als mit Abstand wichtigste Partei notorisch zerstritten. "Ohne die geplante Senatsreform ändert die jetzige Abgeordnetenhaus-Reform aber m.M.n. fast nichts an den bisherigen "italienischen Verhältnissen" - Regierungen sind auch bisher m.W. immer an fehlenden Senatsmehrheiten zerbrochen, da es für das Abgeordnetenhaus auch vorher schon eine Mehrheitsklausel (wenn auch für Koalitionen) gab." Das ist richtig. Allerdings würde vermutlich auch eine Entmachtung des Senats gar nicht soviel ändern. Politiker, die bisher kaum willens und erst recht nicht fähig waren, die vielen Probleme Italiens anzugehen, werden sich nicht plötzlich ändern, wenn der Senat weg ist. Bei Renzi habe ich den Eindruck, dass er Wahlrechts- und Verfassungsänderung nicht neben, sondern anstatt wirklicher Veränderungen betreibt.