von Norddeutscher » Sa 18. Jun 2011, 16:08
Zum neuen Wahlrecht in Österreich: Die Behauptung im Twitter-Feed, taktisches Wählen sei nicht mehr möglich halte ich für falsch. Natürlich ist taktisches Wählen weiter möglich. Nur drei Beispiele: a) Ich bin Anhänger einer Partei, die nach allen Umfragen nicht ins Parlament kommen wird. Ich wähle daher eine andere als meine präferierte Partei, um mit meiner Stimme zu verhindern, daß die nach Umfragen knapp vor der absoluten Mehrheit der Mandate stehende größte Partei, eine Alleinregierung bilden kann. - Klarer Fall von taktischem Wählen, ohne Taktik hätte ich die präferierte Partei gewählt, obwohl sie keine Chance hat. b) Ich bin Anhänger einer Partei, die nach Umfragen sicher in das Parlament kommt. Nach diesen Umfragen erält die stärkste Partei dann eine absolute Mehrheit der Mandate, wenn eine bei den Umfragen an der Sperrklausel stehende Partei nicht in das Parlament kommt. Ich wähle daher die von mir inhaltlich abgelehnte kleine Partei, um die absolute Mehrheit der größten Partei zu verhindern (eventuell sogar mit der Aussicht, daß meine präferierte Partei dann Koalitionspartner wird). - Klarer Fall von taktischem Wählen, ohne Taktik wäre ich das Risiko der absoluten Mehrheit der größten Partei eingegangen. c) Ich bin Anhänger einer Partei, die sicher im Parlament vertreten ist. Die nach den Umfragen größte Partei steht knapp vor der absoluten Mehrheit, hat aber angekündigt, im Falle des Verfehlens derselben mit einer kleineren Partei zu koalieren, die gerade die Koalition mit meiner präferierten Partei aufgekündigt hat. Um zu verhindern, daß diese kleine Partei für den Koalitionsbruch auch noch belohnt wird, wähle ich die größte Partei und nicht meine präferierte Partei. - Klarer Fall von taktischem Wählen, ohne Taktik hätte ich die ungeliebte Koalition in Kauf genommen. Letzterer Fall ist übrigens gerade in Hamburg eingetreten, wo viele CDU-Anhänger SPD gewählt haben, um zu verhindern, daß die GAL nach dem Koalitionsabruch auch noch mit einer weiteren Senatsbeteiligung belohnt wird.
Zum neuen Wahlrecht in Österreich: Die Behauptung im Twitter-Feed, taktisches Wählen sei nicht mehr möglich halte ich für falsch. Natürlich ist taktisches Wählen weiter möglich. Nur drei Beispiele: a) Ich bin Anhänger einer Partei, die nach allen Umfragen nicht ins Parlament kommen wird. Ich wähle daher eine andere als meine präferierte Partei, um mit meiner Stimme zu verhindern, daß die nach Umfragen knapp vor der absoluten Mehrheit der Mandate stehende größte Partei, eine Alleinregierung bilden kann. - Klarer Fall von taktischem Wählen, ohne Taktik hätte ich die präferierte Partei gewählt, obwohl sie keine Chance hat. b) Ich bin Anhänger einer Partei, die nach Umfragen sicher in das Parlament kommt. Nach diesen Umfragen erält die stärkste Partei dann eine absolute Mehrheit der Mandate, wenn eine bei den Umfragen an der Sperrklausel stehende Partei nicht in das Parlament kommt. Ich wähle daher die von mir inhaltlich abgelehnte kleine Partei, um die absolute Mehrheit der größten Partei zu verhindern (eventuell sogar mit der Aussicht, daß meine präferierte Partei dann Koalitionspartner wird). - Klarer Fall von taktischem Wählen, ohne Taktik wäre ich das Risiko der absoluten Mehrheit der größten Partei eingegangen. c) Ich bin Anhänger einer Partei, die sicher im Parlament vertreten ist. Die nach den Umfragen größte Partei steht knapp vor der absoluten Mehrheit, hat aber angekündigt, im Falle des Verfehlens derselben mit einer kleineren Partei zu koalieren, die gerade die Koalition mit meiner präferierten Partei aufgekündigt hat. Um zu verhindern, daß diese kleine Partei für den Koalitionsbruch auch noch belohnt wird, wähle ich die größte Partei und nicht meine präferierte Partei. - Klarer Fall von taktischem Wählen, ohne Taktik hätte ich die ungeliebte Koalition in Kauf genommen. Letzterer Fall ist übrigens gerade in Hamburg eingetreten, wo viele CDU-Anhänger SPD gewählt haben, um zu verhindern, daß die GAL nach dem Koalitionsabruch auch noch mit einer weiteren Senatsbeteiligung belohnt wird.