Zahl der Europaabgeordneten

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Zahl der Europaabgeordneten

von Holger81 » Mi 16. Jan 2019, 15:02

Zusätzlich negativ für die Repräsentation der Bundestagsparteien (aber aus meiner Sicht positiv) ist es, dass die immer wieder herumgeisternde neue Sperrklausel 2019 wohl noch nicht eingeführt wird (dies jetzt noch wenige Monate vor der Wahl zu beschließen, wäre schon mehr als dreist, und sicher verfassungswidrig). Laut Morgenpost ist dieser Groko-Plan wohl an "zuletzt ablehnende[n] Signale[n]" der Grünen gescheitert. Laut einem Kommentar von Giacomo Delledonne ist das EU-Gesetz, das eine Sperrklausel von mind. 2% für große Länder vorschreibt, immer noch nicht in Kraft getreten - falls dies nicht bis zur Wahl 2019 geschieht, gilt diese Sperrklauselpflicht erst ab 2029 (zweite Wahl nach dem Inkrafttreten), so dass bis dahin eine deutsche Sperrklausel weiter verfassungswidrig wäre.

Zahl der Europaabgeordneten

von Holger81 » Mi 16. Jan 2019, 14:35

Soweit ich mich erinnere, wurde das vor ca. einem halben Jahr beschlossen. Die einzige ernsthafte Debatte dazu war m.W., ob die bisher britischen Sitze an transnationale Parteienlisten verteilt werden sollten, was aber wieder nicht beschlossen wurde. M.W. gibt es keine Möglichkeit, das deutsche Kontingent zu erhöhen, weil die Anzahl Sitze, die ein Land erhält, laut Lissabon-Vertrag zwischen 6 und 96 liegen müssen. (Das war auch der Grund, warum die deutsche Sitzzahl 2014 von 99 auf 96 reduziert wurde.) Da hätte also eine frühere Bundesregierung beim Lissabon-Vertrag besser verhandeln müssen, um eine zumindest annähernd proportionale Sitzzahl für Deutschland zu bekommen. Zumindest steigt das relative Gewicht der deutschen Abgeordneten durch die Reduktion der Parlamentsgröße, wenn auch weniger als das von F, E, I usw. Aber nach der gestrigen Abstimmungspleite halte ich es für durchaus möglich, dass das UK den Brexit-Termin auf nach der Europawahl verschiebt und dann doch wieder nach der alten Sitzverteilung inklusive UK gewählt wird...

Zahl der Europaabgeordneten

von Florian das Original » Di 15. Jan 2019, 20:25

Bei der Europawahl 2019 wird sich ja durch den Brexit die Sitzgewichtung der einzelnen Länder verändern. Hier die neue Sitzverteilung: https://de.wikipedia.org/wiki/Europ%C3%A4isches_Parlament#Wahlrechtsreform_zur_%C3%84nderung_der_Sitzverteilung Von den bisherigen 73 britischen Sitze werden 46 nicht neu besetzt und das Parlament entsprechend verkleinert. Die restlichen 27 Sitze wurden auf die anderen Staaten verteilt. Offenbar gab es dazu irgendwann eine politische Debatte, wie die neue Verteilung sein sollte. Wobei ich diese Debatte nicht mitbekommen habe (und auch auf Wikipedia und auf der Seite des EU-Parlaments dazu keine Information finden konnte). Weiß jemand wann und wie das beschlossen wurde? Und welche Position die Bundesrgierung hier hatte? Denn ehrlich gesagt finde ich es schon eher seltsam, dass Deutschland (obwohl bislang am deutlichsten im Parlament unterrepräsentiert) keinen einzigen Sitz dazu bekommen hat. Während andere, bereits bisher deutlich günstiger repräsentierte Länder wie Italien oder Niederlande deutlich Sitze hinzugewonnen haben. (Der Sitz-Zuwachs für Spanien und Frankreich ist hingegen für mich nachvollziehbar. Beide Länder waren bislang ähnlich schwach vertreten wie Deutschland).

Zahl der Europaabgeordneten

von Stefan Grabert » Sa 7. Jan 2017, 15:55

Moin, schön, dass hier wieder etwas Leben ist. Auch ich denke, dass auf absehbare Zeit von Guérots Utopie nicht ein Stück umgesetzt wird, ganz im Gegenteil, die von ihr als "Drohungen" beschriebenen Szenarien werden fortgesetzt. Aber offensichtlich haben Sie meinen wichtigsten Satz zu Guérot überlesen, ich unterscheide zunächst zwischen ihren Analysen (im ersten Teil) und ihrer Synthese (im zweiten und dritten Teil). Man muss der Synthese nicht folgen, ich hätte damit auch so meine Probleme. Vom dritten Teil war ich sogar maßlos enttäuscht, hier begeht sie selbst in der Argumentation Fehler, die sie anderen zuvor angekreidet hat. Andererseits gibt es viele unstrittige Mängel der EU, die ein solcher "Superstaat" nicht in der Form hätte. Ich sehe hier in erster Linie die Gewichtung von Parlament, Kommission und Rat, aber auch die Bestimmung der Kommission und die Verfasstheit des Rats. Mir ist nicht ganz klar, auf was sich Ihre letzten zwei Sätze beziehen, auf Guérot, auf den EP-Entwurf oder die Idee eines einheitlichen Wahlrechts für das EP? Ganz sicher scheint mir nur zu sein, dass es genau die Art der Texte wie der EP-Entwurf sind, die dem Bürger das letzte Zutrauen in die EU austreibt. Und das ist in meinen Augen kein oder nicht nur ein Wahrnehmungs- und Darstellungsproblem. Zur britischen Regierung: Zunächst ist sie in meinen Augen längst dabei, sich lächerlich zu machen, aber auch die EU der Lächerlichkeit preis zu geben. Der Zeitplan der Regierung, den wir ja noch immer nicht wirklich kennen, dürfte aber eher weiter nach hinten rutschen. Nicht zuletzt auch wegen des Abdankens von Rogers, Barrows wird sich erst einarbeiten müssen und sich nötiges Detailwissen aneignen. Dies trifft den britischen Zeitplan an seinem schwächsten Punkt, der Phase vor der Erklärung nach Art. 50, also jetzt! Genügend Stimmen sagen ja auch, dass die zwei Jahre für die Verhandlungen nicht ausreichen werden. Rogers gehört dazu. Dies sehe ich ähnlich, ein hiervon abweichender Zeitplan, das erlaubt der EU-Vertrag ja, wäre also auszuhandeln, solange man im Rat nicht noch zerstrittener ist. Nur so wäre aus meiner Sicht eine Einstimmigkeit schnell zu erreichen. Aber rein rechnerisch, wenn die Erklärung nach Art. 50 noch vor Mai/Juni 2017 abgegeben wird, es einen glatten Schnitt nach zwei Jahren gibt, wäre der Austritt des UK aus der EU vor der Wahl vollzogen. Dies hat sicher auch die Regierung in London im Blick. Von der Seite betrachtet, würde ich Ihnen zustimmen. Anderseits gehe ich aber auch davon aus, dass die britische Regierung so viele Dinge wie möglich intern lösen wird, wie sie eben nur kann, um nicht in zusätzlichen Zeitdruck zu geraten. Daher könnte ich mir auch vorstellen, dass eine entsprechende Erklärung erst weit nach Mai/Juni erfolgt, auch wenn sie für spätestens März versprochen ist. May hat bei der Nennung dieses Zeitrahmens immer wieder betont, gut vorzubereiten. Solche guten Vorbereitungen erschließen sich mir bisher nicht.

Zahl der Europaabgeordneten

von Thomas Frings » Sa 7. Jan 2017, 12:35

"dass man das Parlament um die Anzahl der britischen Abgeordneten verkleinert." Das wird mit Sicherheit so sein für die laufende Wahlpriode und wahrscheinlich auch darüber hinaus. "Wenn es mit dem Brexit, der ja bis dato noch nicht einmal erklärt ist, so weiter geht, ist das Vereinigte Königreich bei der nächsten Europawahl formal immer noch Mitglied der EU. Es dürfte also wohl eine der ersten vertraglichen Regelungen zwischen den EU-Mitgliedsstaaten sein, wie mit der Europawahl zu verfahren ist." Die britische Regierung kann nicht ewig warten, ohne sich international und im eigenen Land lächerlich zu machen und die Zweijahresfrist kann vom Rat nur einstimmig verlängert werden, was unwahrscheinlich ist. "Zwischen den Jahren habe ich zum Thema "Warum Europa eine Republik werden muss" von Ulrike Guérot gelesen." Oha. Die Frage einer Vereinheitlichung des Wahlrechts ist aber nicht an Superstaatsphantasien gekoppelt. Das EP hat schon seine Vorstellungen zum Wahlrecht verkündet: http://www.europarl.europa.eu/sides/getDoc.do?pubRef=%2f%2fEP%2f%2fNONSGML%2bTA%2bP8-TA-2015-0395%2b0%2bDOC%2bPDF%2bV0%2f%2fDE Alles unsinnig oder überflüssig oder wenig durchdacht. Umgesetzt wird das natürlich nicht.

Zahl der Europaabgeordneten

von Stefan Grabert » Fr 6. Jan 2017, 22:50

Moin, ich könnte mir, ohne die Regularien gelesen zu haben, auch einfach vorstellen, dass man das Parlament um die Anzahl der britischen Abgeordneten verkleinert. Sonst würden zu viele "Unwuchten" innerhalb der Fraktionen auftreten, zumal ja alle MdEPs nach ihrem nationalen Wahlrecht gewählt sind. Letzteres scheint mir ein größeres Problem zu sein, als es die britischen Abgeordneten sind. Wenn es mit dem Brexit, der ja bis dato noch nicht einmal erklärt ist, so weiter geht, ist das Vereinigte Königreich bei der nächsten Europawahl formal immer noch Mitglied der EU. Es dürfte also wohl eine der ersten vertraglichen Regelungen zwischen den EU-Mitgliedsstaaten sein, wie mit der Europawahl zu verfahren ist. Zwischen den Jahren habe ich zum Thema "Warum Europa eine Republik werden muss" von Ulrike Guérot gelesen. Die Analysen halte ich für recht realistisch, bei den Synthesen habe ich so manchen Zweifel. Momentan gehe ich damit schwanger, dies im Bezug auf ein einheitliches europäisches Wahlrecht hier gesondert in die Diskussion einzuführen.

Zahl der Europaabgeordneten

von Maik Otter » Fr 23. Dez 2016, 18:51

Es ist sehr wahrscheinlich, dass das Vereinigte Königreich noch vor der nächsten EP Wahl aus der Europäischen Union austreten wird? Würde die Bundesrepublik Deutschland im Frühling 2019 mehr Sitze erhalten?

Zahl der Europaabgeordneten

von zigzag » Mi 10. Jun 2009, 17:29

"Aber was spricht denn dagegen, es ganz einfach nach abgegebenen Stimmen zu machen, genau wie die Aufteilung auf Bundesländer bei einer Bundestagswahl. Dann repräsentiert jeder Abgeordnete die selbe Zahl abgegebene Stimmen - völlig gleichwertig." Weil z.B. Kleinstaaten wie Malta oder Luxemburg dann eventuell gar keinen Abgeordneten ins EU-Parlament schicken würden. "Die Zahl der Sitze, die bei den Europawahlen in den einzelnen Mitgliedstaaten verteilt werden, spiegelt nicht alle Wählerstimmen gleich wieder: Größere Staaten haben grundsätzlich mehr Abgeordnete als kleinere Staaten, allerdings haben kleinere Staaten mehr Abgeordnete pro Einwohner als größere Staaten. Dieses Prinzip wird als „degressive Proportionalität“ bezeichnet. ... Die Regelung der degressiven Proportionalität soll gewährleisten, dass auch die Parteienvielfalt der kleineren Staaten im Europaparlament repräsentiert wird, wofür eine gewisse Mindestgröße der nationalen Delegationen notwendig ist. Umgekehrt würde das Europaparlament bei einer entsprechenden Gewichtung der Wählerstimmen aus den großen Ländern eine nicht mehr arbeitsfähige Größe annehmen. Freilich widerspricht das Prinzip der degressiven Proportionalität der demokratischen Basisregel, nach der grundsätzlich jede Wählerstimme das gleiche Gewicht haben soll. Daher wurden immer wieder Alternativvorschläge für das Europawahlrecht diskutiert, insbesondere die Einführung europaweiter Parteilisten, durch die die Sitzverteilung nach Ländern entfallen würde. Für eine solche Reform wäre jedoch eine Änderung der EU-Verträge notwendig, für die es bislang keinen Konsens unter den nationalen Regierungen gibt." http://de.wikipedia.org/wiki/Europ%C3%A4isches_Parlament#Sitzverteilung_nach_L.C3.A4ndern

Zahl der Europaabgeordneten

von Jens Müller » Di 9. Jun 2009, 18:16

"Aber was spricht denn dagegen, es ganz einfach nach abgegebenen Stimmen zu machen" - daß der Direktwahlakt zum Primärrecht gehört. Das macht kein Staat mit.

Zahl der Europaabgeordneten

von tg » Di 9. Jun 2009, 07:20

Dagegen spricht vor allem, daß man dann erst mal alle Regularien vereinheitlichen müßte. Außerdem ist es durchaus üblich, daß Wahlen separat in Bundesländern organisiert werden und der Gesamtstaat nur die Volkszählung durchführt, um die Verteilung der Mandate auf die Länder zu berechnen (Schweiz, USA). Schon mein Vorschlag, die Anzahl der abgegebenen Stimmen der letzten Wahl für die Mandatsverteilung zu berücksichtigen, würde eine stärkere Vereinheitlichung der Wahl als z.B. in den USA erfordern.

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