Enishimeni Analogiki und Droop-Quota

Z.

Enishimeni Analogiki und Droop-Quota

Beitrag von Z. »

Hi! Hat wer eine Ahnung wie diese Wahlsysteme genauer funktionieren? Wuerde das benätigen und mich sehr freuen, wenn mir wer helfen koennte. Z.
Martin Fehndrich
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Registriert: Fr 8. Okt 1999, 10:00

Enishimeni Analogiki und Droop-Quota

Beitrag von Martin Fehndrich »

Die Droop-Quota (oder auch Wahlzahl nach Hagenbach-Bischoff) ist die Anzahl der Stimmen, die beispielsweise beim STV (Single Transferable Vote) System in Irland für einen Sitz benötigt wird. Droop-Quota := Abgegebene Stimmen / (Sitze + 1) +1
Mörsberg

Enishimeni Analogiki und Droop-Quota

Beitrag von Mörsberg »

Damit ist zumindest klar, dass das kein Verfahren für die Europawahl ist. Was die in Griechenland aber statt dessen machen, ist nach wie vor ein großes Rätsel. Das einzige Verfahren, das von der 1999er Stimmenverteilung zur 1999er Sitzverteilung führt, ist reines Hare-Niemeyer ohne Sperrklausel. Dann hätte aber keine sonstige Partei mehr als 0,67 Prozent erreichen dürfen. Oder die Dreiprozenthürde gilt zwar, aber bei der Berechnung der Hare-Quota steht doch 100 im Nenner, was bei 10,41% Sonstigen die Kleinen stark bevorteilt.
c07

Enishimeni Analogiki und Droop-Quota

Beitrag von c07 »

Mörsberg: > Damit ist zumindest klar, dass das kein Verfahren für die Europawahl ist. Man könnte prinzipiell Ähnliches in kleinerem Rahmen machen, aber laut griechischem Innenministerium gibt es 2004 eindeutig nur einen Wahlkreis. > Das einzige Verfahren, das von der 1999er Stimmenverteilung > zur 1999er Sitzverteilung führt, ist reines Hare-Niemeyer ohne > Sperrklausel. Dann hätte aber keine sonstige Partei mehr als 0,67 > Prozent erreichen dürfen. Was nicht der Fall ist. Allerdings führt Adams von den Stimmen zum richtigen Ergebnis (stimmt aber 1994 nicht). Eine Erklärung wären vielleicht noch Listenverbindungen, aber auch dann hätte die ND mit allen halbwegs üblichen Verfahren 10 Sitze bekommen müssen (zumindest hat sie mehr als 10 Hare-Quoten). Oder gescheiterte Parteien können ihre Stimmen vererben. > Oder die Dreiprozenthürde gilt zwar, aber bei der Berechnung der > Hare-Quota steht doch 100 im Nenner Du meinst, dass sich die Quoten auf alle gültigen Stimmen beziehen. Prinzipiell möglich. Die ND hätte dann 9,0002 Quoten, was eine extrem üble Ausgangslage ist. Aber wenn man die Reste nach d'Hondt verteilt, wie es angeblich bei den nationalen Wahlen bei den 12 Extrasitzen gemacht wird, ergibt sich für PASOK 8, KKE 2, DIKKI 4 und SYN 2 (was auch eindrucksvoll die Unbrauchbarkeit dieses Verfahrens demonstriert). Bei der bestehenden Konstellation würd auch noch eine einfache Vergabe nach größten Resten funktionieren, was tatsächlich zur realen Verteilung führt. Diese These ist auch wahrscheinlich, weil offenbar auch bei nationalen Wahlen die gescheiterten Parteien bei den Quoten mitzählen. Anders ist das krasse Missverhältnis zwischen ND und PASOK auf Ebene C kaum erklärbar (ich hab mich schon gefragt, wie dieses System den angeblich deutlichen mehrheitsbildenden Effekt erreichen soll, aber so bekommt die stärkste Partei praktisch die Stimmen aller Parteien unter 3%). Noch ein paar Links, falls wer weiterforschen will: alte Wahlergebnisse Wahlrecht 1999 (EU) Wahlanalyse 1999 (EU)
Mörsberg

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Beitrag von Mörsberg »

> Du meinst, dass sich die Quoten auf alle gültigen Stimmen beziehen. Genau. Es fehlte das %-Zeichen hinter der 100. > Bei der bestehenden Konstellation würd auch noch eine einfache > Vergabe nach größten Resten funktionieren, was tatsächlich zur > realen Verteilung führt. So hab ich die Zahlen interpretiert. Die anderen Mutmaßungen zielen ins Leere, sonst könnte man nicht von einem "rein" proportionalen Varfahren sprechen wollen. Falls es tatsächlich so gemacht wird, wäre es Unsinn und dieser hiermit erwiesen, weil gegenüber einer richtigen Sperrklausel oder auch Sainte-Laguë der ND in jedem Fall der 10. Sitz geklaut wird: das erste Verfahren, das die größte Partei systematisch benachteiligt! Interessant wäre noch zu erfahren, was passiert, wenn alle Parteien über 3% für ihren Restbruchteil einen zusätzlichen Sitz erhalten haben und dann immer noch keine 24 Mandate vergeben sind.
c07

Enishimeni Analogiki und Droop-Quota

Beitrag von c07 »

Mörsberg: > das erste Verfahren, das die größte Partei systematisch benachteiligt! Da gibt es schon noch mehr. Von den klassischen Verfahren benachteiligen Hill/Huntington, Dean und Adams die großen Parteien. Zumindest Hill/Huntington wird auch real verwendet (in den USA bei der Aufteilung des Repräsentantenhauses auf die Staaten, wo deshalb die großen Staaten leicht unterrepräsentiert sind). Falls in Griechenland tatsächlich wie vermutet verteilt wird, ist das aber gar nicht so absurd. Praktisch bedeutet es ungefähr, dass die Stimmen, die wegen der Sperrklausel verfallen, an die restlichen Parteien unabhängig von ihrer Größe verlost werden. Im Schnitt dürfte das den Willen der Wähler besser treffen als bei uns, wo solche Wähler effektiv als Durchschnittswähler behandelt werden. Aber ich bin mir nicht mehr so sicher, ob bei nationalen Wahlen wirklich die Splitterparteien bei den Quoten mitgerechnet werden. Es scheint nämlich noch einen Zwischenschritt bei der Auszählung zu geben, wonach die insgesamt stärkste Partei alle noch unbesetzten Sitze der Wahlkreise bekommt, in denen sie die stärkste Partei war. Erst danach werden landesweit volle Quoten vergeben. Siehe hier. Irgendwann werd ich wohl doch noch mal das ganze Ergebnis nachrechnen, um das exakte Verfahren zu rekonstruieren. Für die Europawahlen behauptet obige Quelle übrigens d'Hondt.
Mörsberg

Enishimeni Analogiki und Droop-Quota

Beitrag von Mörsberg »

> Falls in Griechenland tatsächlich wie vermutet verteilt wird, ist > das aber gar nicht so absurd. Praktisch bedeutet es ungefähr, dass > die Stimmen, die wegen der Sperrklausel verfallen, an die > restlichen Parteien unabhängig von ihrer Größe verlost werden. Im > Schnitt dürfte das den Willen der Wähler besser treffen als bei > uns, wo solche Wähler effektiv als Durchschnittswähler behandelt > werden. Der Effekt des Verfahrens ist (wäre), dass im Regelfall ein (meist deutlich) geringerer Mandatsbruchteil als 0,5 bereits ausreicht, um einen Restsitz zu erringen. Um den eigenen Vorteil zu maximieren, könnten die großen Parteien daher auf die Idee kommen, mit mehreren verschiedenen Listen, zum Beispiel auf regionaler Ebene, anzutreten. Die Wahrscheinlichkeit, dass dann zum Beispiel die einzelnen Listen Voreio-PASOK, Sterea-PASOK, Attiki-PASOK und Nisoi-PASOK (natürlich jede einzelne davon mit mehr als drei Prozent landesweit) zusammen mehr Sitze erringen als eine einheitliche Liste mit demselben Stimmenanteil, ist beträchtlich. Ein Übersetzungsproblem liegt übrigens anscheinend nicht vor, jedenfalls habe ich bis jetzt noch nichts Merkwürdiges gefunden. "Relativ zur Gesamtzahl der Stimmen" bedeutet zwar ziemlich eindeutig, dass diejenigen für Parteien unter drei Prozent mitzählen, ist aber auch kein eindeutiger Hinweis auf das Verfahren. Wie immer bleibt nur die Feststellung, dass das mit Sainte-Laguë nicht passiert wäre. Und, naja, dass es etwas unglücklich ist, für obiges Beispiel ausgerechnet PASOK heranzuziehen. Da müsste man konsequenterweise natürlich das PA weglassen.
c07

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Beitrag von c07 »

Das Ergebnis der Europawahlen 2004 stützt die Theorie, dass alle gültigen Stimmen zur Berechnung der Quote verwendet werden, aber ansonsten wie bei Hare/Niemeyer nach Quoten und größten Resten verteilt wird. Auch diesmal bleiben nicht mehr Sitze übrig, als es Parteien über 3% gibt. Allerdings ergibt auch Adams wieder die tatsächliche Sitzverteilung. Bei allen anderen geläufigen Verfahren hätte die PASOK einen Sitz mehr und die KKE einen weniger.
Holger81
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Beitrag von Holger81 »

"Das Ergebnis der Europawahlen 2004 stützt die Theorie, dass alle gültigen Stimmen zur Berechnung der Quote verwendet werden, aber ansonsten wie bei Hare/Niemeyer nach Quoten und größten Resten verteilt wird. Auch diesmal bleiben nicht mehr Sitze übrig, als es Parteien über 3% gibt." Diesmal (2014) hingegen blieb auch nach Aufrunden aller Parteien-Sitzansprüche noch ein Sitz übrig. Golden Dawn wurde überaufgerundet (von ca. 1,9 auf 3 Sitze). Damit begünstigte das Verfahren diesmal die kleineren Parteien tendentiell stärker als Adams (ist also prinzipiell nicht mehr proportional!), wenn es auch am Ende auf die gleiche Sitzverteilung wie Adams hinauslief.
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