�Olympisches� Wahlverfahren

tg
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„Olympisches“ Wahlverfahren

Beitrag von tg »

Das Wahlrecht, mit dem heute der Veranstalter der Olympischen Spiele 2012 bestimmt wird, finde ich diskutierenswert, etwa auch für die Bundesversammlung: Wer die absolute Mehrhat erhält, gewinnt. Gibt es keine absolute Mehrheit, scheidet der letzte aus und es gibt einen weiteren Wahlgang der übriggebliebenen Kandidaten. Anscheinend gibt es keine Möglichkeiten für taktisches Abstimmungsverhalten (oder habe ich etwas übersehen?). Natürlich ist ein solch aufwendiges Wahlverfahren nicht auf eine Volkswahl übertragbar, aber es wäre durchaus denkbar, den Bundespräsidenten so wählen zu lassen
gelegentlicher Besucher

„Olympisches“ Wahlverfahren

Beitrag von gelegentlicher Besucher »

Wenn man die Wähler eine nummerierte Rangfolge einreichen lässt, dann kann man die "Wahlgänge" bei der Auszählung automatisieren. Man zählt im ersten Zählgang nur die Erstpräferenze. Für die Wähler, deren Erstpräferen außgeschieden ist, zählt man in den folgenden Zählgängen die Zweitpräferenz u.s.w. Dieses Verfahren ist bereits erfunden, es wird in den USA als instant runoff voting (IRV) und in den Commonwealth-Monarchien als alternative vote (AV) bezeichnet. In Irland (wo es für die Volkswahl des Staatspräsidenten verwendet wird) hat es keinen gesonderten Namen, weil es der 1-Sitz-Grenzfall der dort üblichen Version von single transfereble vote (STV) ist. Hinter diesem Link ist eine Liste von Gemeinwesen, die IRV benutzen. Das olympische Verfahren teilt die Vor- und Nachteile von IRV. Sie dürften allerdings im Einzelfall schwehrer nachweisbar sein, da der irrelevante Teil der Präferenzfolgen nicht erhoben wird. Die hauptsächliche Strategiemöglichkeit sieht man an folgendem Beispiel: Die Kandidaten sind A,B,C "Ehrliche" Präferenzreihenfolgen: 8 Stimmen: A,B,C 5 Stimmen: B,A,C 4 Stimmen: C,B,A C scheidet aus, B gewinnt. Aber wenn 2 A-Anhänger im ersten Wahlgang taktisch für C stimmen, dann scheidet B aus und A wird gewählt. In der Praxis ist es allerdings schwierig diese Möglichkeit auszunutzen, weil das relevante Stimmenfenster klein und schwehr vorhersagbar ist. Es gibt kein Wahlverfahren, das alle Möglichkeiten der taktischen Stimmabgabe ausschließt.
Florian
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„Olympisches“ Wahlverfahren

Beitrag von Florian »

"Anscheinend gibt es keine Möglichkeiten für taktisches Abstimmungsverhalten (oder habe ich etwas übersehen?). " Ja, da haben Sie etwas übersehen. Ein Beispiel: Es gibt 3 Kandidaten: Den Rechtsextremen R den Gemäßigten G den Linken L Es gibt folgende Präferenzverteilung (die allgemein bekannt ist): 31% der Wähler haben die Präferenz 1.G - 2.L - 3.R 40% der Wähler haben die Präferenz 1.L - 2.G - 3.R 29% der Wähler haben die Präferenz 1.R - 2.G - 3.L Wenn NIEMAND taktisch wählt (sondern nur untaktisch nach seinen Präferenzen), dann passiert folgendes: 1. Wahlgang: R bekommt die wenigsten Stimmen (29%) und fliegt raus 2. Wahlgang: G bekommt 60% der Stimmen und ist gewählt. Nun können die Fans von L aber einen taktischen Trick anwenden: Im 1. Wahlgang stimmen einige von Ihnen (sagen wir 4%) für den eigentlich ungeliebten Kandidaten R. Nun bekommt R also 33% und G nur 31%. Also fliegt G raus. Im 2. Wahlgang müssen die G-Fans um wenigstens ihre 2. Präferenz durchzubringen für L stimmen. Ergebnis: L ist mit 71% gewählt.
John Rawls
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Beitrag von John Rawls »

Doch, doch, das lässt auch Raum für Spielchen. Stell dir vor, es gäbe drei Lager im Kreis der Wählenden. (Namen gestaltet) Lager 1 will Atlanta, wäre aber auch mit Boston einverstanden, will aber ja nicht Cairo. Lager 2 will Cairo, notfalls Dakar, aber ja nicht Essen. Lager 3 will Essen oder sonst Florenz, aber ja nicht Atlanta. Lager 1 hat ca. 44% der Leute, Lager 2 33% und Lager 3 22% - sagen wir einfach, es wären 90 Leute. Ohne Tricks und Taktiererei gewinnt Atlanta. Angenommen, nur Lager 2 taktiert. Die anderen Lager wählen ihre Favoriten im Verhältnis 3:1, wenn noch beide drin sind. 1. Wahlgang: Atlanta 30 Essen 15 Cairo 12(taktisch) Dakar 12 (taktisch) Florenz 11 Boston 10 Taktische Stimmen dienen hierzu zu signalisieren: nehmt lieber Florenz statt Essen. 2. Wahlgang Atlanta 40 Cairo 15(taktisch) Essen 15 Florenz 19 (taktische Stimmen aus Lager 2) Dakar 1 (taktisch, aufgegeben) Vor dem nächsten Wahlgang wird vermutlich der Druck auf Essen hoch sein zugunsten Florenz zurückzuziehen. Nehmen wir an, es gelingt. 3. Wahlgang (entfällt vielleicht) Atlanta 40 Essen 1 Cairo 21 (taktisch, 21 - um sicher zu gehen) Florenz 28 (taktische Stimmen aus Lager 2) 4. Wahlgang Atlanta 40 Cairo 30 Florenz 20 (keine taktischen Stimmen mehr aus Lager 2) 5. Wahlgang: Lager 3, ohne eigenen Kandidaten, wählt nun Cairo um Atlanta zu verhindern. Lager 2 hat es gerschafft.
C.-J. Dickow

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Beitrag von C.-J. Dickow »

@John Rawls So (und mit genau diesen taktischen Spielchen) sind bei uns in Hamburg Uni-Präsidenten gewählt worden (das heißt: eigentlich nur einmal, denn der 1990 gewählte hat es seither bei beiden Wiederwahlen geschafft, den unterschiedlichen Lagern mit Ausnahme der Studenten genügend Versprechen zu machen, um unbestritten durchzugehen). Wobei bei uns noch dazu kam, daß zwischen zwei Wahlgängen immer eine Stunde Pause war, um Gespräche führen zu können.
tg
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Beitrag von tg »

Danke für die vielen Beispiele. Nun ist auch klar, warum es bei der Olympia-Wahl zwischen den einzelnen Wahlgängen keine Aussprache gibt. Aber es erscheint mir zumindest schwieriger, taktisch zu wählen, als bei der häufig angewandten Methode, im zweiten Wahlgang nur die beiden Ersten des ersten Wahlgangs zuzulassen. Bei der letzten französischen Präsidentenwahl gab es ja den Verdacht, daß einige Chirac-Anhänger im ersten Wahlgang für Le Pen gestimmt haben, da Chirac nach den Umfragen sicher für den zweiten Wahlgang qualifiziert war und ein Duell Chirac - Le Pen wesentlich einfacher zu gewinnen war als Chirac - Jospin.
John Rawls
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Beitrag von John Rawls »

Oh, in meinem Beispiel gibt es auch keine Aussprache dazwischen. Nur eine Roadmap der Beteiligten, vor dem Wahlgang festgelgt, ist nötig. Alles andere kann über den WEahlgang selber kommuniziert werden.
Maik Otter
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Beitrag von Maik Otter »

Pyoenchang, Paris und "Los Angeles" Die Atomrakete in Nordkorea von heute und die nordkoreanische Rakete über Hokkaido vor wenigen Tagen lassen die Frage aufkommen, ob die Olympischen Winterspiele wirklich vom 09.02. bis 25.02.2018 in Pyoenchang (Sükorea) ausgetragen werden sollten! Paris und "Los Angeles" werden sich wohl die Sommerspiele der Jahre 2024 und 2028 aufteilen. Über die Spiele des Jahres 2028 wurde in Hamburg gar nicht abgestimmt.
Maik Otter
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Beitrag von Maik Otter »

Pyoenchang, Paris und "Los Angeles" Die Wasserstoffbombe in Nordkorea von heute und die nordkoreanische Rakete über Hokkaido vor wenigen Tagen lassen die Frage aufkommen, ob die Olympischen Winterspiele wirklich vom 09.02. bis 25.02.2018 in Pyoenchang (Sükorea) ausgetragen werden sollten! Paris und "Los Angeles" werden sich wohl die Sommerspiele der Jahre 2024 und 2028 aufteilen. Über die Spiele des Jahres 2028 wurde in Hamburg gar nicht abgestimmt.
Stefan Grabert
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Beitrag von Stefan Grabert »

Moin, lieber Maik Otter, in Hamburg gab es 2015 einen Volksentscheid gegen die Bewerbung der Stadt für die Olympischen Spiele 2024, folgerichtig hat der Senat (HH) die Bewerbung zurückgezogen, es hat also jetzt weder eine Bewerbung Hamburgs für 2024 noch für 2028 gegeben, somit musste jetzt auch keine Bewerbung Hamburgs beim IOC berücksichtigt werden oder gar darüber eine Abstimmung gemacht werden. Ergebnis: http://www.hamburg.de/pressearchiv-fhh/4655260/2015-12-15-bis-pm-olympia-referendum-endgueltiges-ergebnis/ 51,60% NEIN, 48,40% JA passender Spiegel-Artikel: http://www.spiegel.de/sport/sonst/olympia-referendum-hamburg-sagt-nein-a-1065147.html Es gab zwar eine private Initiative für eine erneute Bewerbung Hamburgs, aber eben keine offizielle Bewerbung.
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